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Ursprung und Baugeschichte Die St. Gotthardtkirche ist ein Denkmal der deutschen Ostkolonisation. Als es zu Beginn des 12. Jahrhunderts gelang, den im großen Slavenaufstand von 983 verlorengegangenen Boden zurückzugewinnen, und Albrecht der Bär in Pribislav, dem letzten wendischen Herrn der Brandenburger Burg, einen Förderer der Einbeziehung des Havellandes in den deutschen christlichen Kulturbereich fand, entstand um 1140 in dem damals noch wendischen Dorfe Parduin als Stützpunkt weiterer Arbeit die ecclesia beati Godehardi als erste der Brandenburger Kirchen. Bis zur Fertigstellung des später begonnenen Domes diente sie als bischöfliche Kathedrale und dem Prämonstratenserkonvent, den Pribislav aus Leitzkau gerufen hatte, als Stiftskirche. Als die Mönche 1165 nach der Dominsel übersiedelten, wurde St. Gotthardt die Pfarrkirche der aus den Gemeinden Parduin, Luckenberg und dem Kietz langsam zusammenzuwachsenden Altstadt Brandenburg. Von diesem Bau, der in seiner Wucht an ländliche Wehrkirchen erinnert haben mag, steht noch als ältestes kirchliches Bauwerk der Mark die Westanlage. Wie aus ihrer Front deutlich hervorgeht, war sie ursprünglich zweitürmig gedacht und so auch zum Teil aufgeführt worden; erst um die Mitte des 13. Jahrhunderts wurde der Plan etwas gewaltsam geändert, ein Stockwerk der Türme wieder abgetragen und der eine Turm unter Benutzung gotischer Formen emporgeführt. Nachdem die Renaissance ihm einen vorläufigen Abschluß gegeben hatte, fand er seine endgültige Gestalt erst durch die Vollendung der Turmspitze im Jahre 1767. – Der romanische Bogen des Portals, über dem das große Rundfenster sein Licht in den Bibliotheksraum fallen lässt, ist sorgfältig gearbeitet und ruht auf zwei mit kapitellartigen Kämpfern abschließenden Pfeilern. Durch dies Portal geht die Gemeinde seit 800 Jahren; in der gleichalten Vorhalle, die das ursprüngliche rippenlose Kreuzgewölbe aus Feldsteinen zeigt, werden die noch ungetauften Wenden einstmals dem prächtigen Gottesdienst zugeschaut haben. Diese Feldsteinkirche wurde in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts bis auf den genannten Rest abgebrochen, da sie dem gesteigerten Selbstbewusstsein der Bürgerschaft nicht mehr gemäß war, und an ihrer Stelle der jetzige spätgotische Bau, offenbar vom Chor aus beginnend, unter Leitung vom Meister Henritz Reinstorp als dreischiffige Hallenkirche errichtet und in den Jahren 1456-1475 vollendet. Aus dieser Zeit stammen auch die das Querschiff ersetzenden drei Kapellen der Südseite, von denen die östliche als Sakristei, die mittlere als Taufraum dient, sowie die dem früheren Bischofssitze gegenüberliegende Nordkapelle; sie sind sämtliche 1475 vollendet. Die Innenausstattung In den Jahren 1904 – 1906 wurde die Kirche einer durchgreifenden Erneuerung unterzogen. Ursprüngliches wurde wiederhergestellt, der gesamte Raum neu ausgemalt. Dabei wurden alte Malereien unter der Tünche freigelegt. zu ihnen gehören besonders die Weihekreuze und Inschriften an den Wänden und Pfeilern, die die Stellung ehemaliger Altäre bezeichnen, das Verzeichnis der aus Anlaß der Neuerrichtung der Kirche gespendeten Ablässe des Papstes Nicolaus V. und deutscher Bischöfe (an der südlichen Westwand nahe der zum Turm führenden Tür unter der Täfelung) sowie die Gewölbemalerei der Taufkapelle, das spätgotische Wappen zwischen den Schallöchern des Orgelfernwerkes im Hohen Chor und das Wandgemälde von 1585 mit der Figur des Todes über der nördlichen Empore. – Damals wurde auch das spätgotische Triumphkreuz wieder aufgerichtet und der Taufbaldachin restauriert, den eine verständnislose Zeit hatte verkommen lassen, leider aber das 1874 von Pfannschmidt geschaffene Altarbild, das unserem Empfinden nicht mehr entspricht, nicht ersetzt. Sämtliche Fenster mit Glasmalereien, mit Ausnahme des mittleren Chorfensters, das 1868 als Schenkung Wilhelms I. geschaffen wurde, sind in jenen Jahren gestiftet worden. Aus der Fülle der alten Kunstwerke seien nur die folgenden besonders hervorgehoben. Die Kanzel Die aus Sandstein gefertigte Kanzel ist ein hervorragend schönes Werk der Spätrenaissance, das 1623 durch die Tuchmachergilde der Altstadt bei einem Nürnberger Künstler in Auftrag gegeben wurde; die Stiftungstafel, die die Hausmarken von hundert Tuchmachern, die Bilder der Aeltermeister und Kastenherren zeigt und durch einen großen, von einer lateinischen Umschrift umgebenen Ametyst dem Prediger Wachsamkeit und Nüchternheit wünscht, ist am Kanzelpfeiler angebracht. Die Kanzel, die von einem bärtigen Propheten getragen wird, zeigt zwischen den Figuren der Evangelisten Reliefdarstellungen aus dem Leben Jesu; an der Treppe zwischen alttestamentlichen Gestalten und einem Ratsherren außerordentlich gelungene Darstellungen der Paradiesgeschichte sowie typologische Szenen des A.T. Auf der Brüstung steht eine Sanduhr von 1649. Der Altar Der mittelalterliche Hauptaltar der Kirche ist nicht mehr vorhanden. Vermutlich sind aber die in den Nischen der südlichen Chorwand aufgestellten Schnitzfiguren Reste seiner einstigen Herrlichkeit. Sie stellen die drei Patronen der Kirche dar, die Heiligen G o d e h a r d mit dem Modell seiner Hildesheimer Kirche (Godehard, etwa 960 zu Reisbach im Bistum Passau geboren, asketischer Volksprediger, 1022 Bischof von Hildesheim, gestorben 1038, heiliggesprochen 1131), und M a t e r n u s mit den drei Infuln sowie dem Apostel M a t t h i a s. In kleinerem Format die heiligen Frauen Veronika und Magdalena. Einen ehemaligen Altarbehang bildete offenbar die heute an der Nordwand des Chores unter Glas aufbewahrte Gobelinweberei, die in farbenprächtigen symmetrischen Bildern eine Szene aus der Marienlegende, die Jagd nach dem Einhorn, darstellt. Der Behang ist fast 1 Meter hoch und 5,57 Meter lang; er ist ein wertvolles und seltenes Erzeugnis der burgundischen Teppichkunst des 15. Jahrhunderts. Der Altaraufbau von 1559, dessen Malereien von Meister Wilhelm Gulden in Leipzig angefertigt wurden, hat heute seinen Platz in der Taufkapelle. Er bringt in seinem Mittelbilde das Abendmahl zur Darstellung, auf der Predella die Weihnachtsgeschichte, auf dem linken Flügel die Taufe Jesu, auf dem rechten die Speisung der Fünftausend, die Rückseiten zeigen eine Passionsdarstellung. Der Altar wird von einer geschnitzten Gruppe der Dreieinigkeit gekrönt. Die Tafeln mit den Gestaltern des Petrus und Paulus sind 1561 hinzugefügt worden. Die Taufe Die bronzene Taufe stammt noch aus der alten Feldsteinkirche, sie ist ein hervorragendes Werk des spätromanischen Stiles und dient der Gemeinde seit siebenhundert Jahren. Vier Männer mit altertümlich strengem Ausdruck, offenbar die Evangelisten, tragen das Becken; vier Löwenköpfe mit hängender Zunge schmücken den oberen Rand, um den eine lateinische Inschrift läuft, die den Sinn der Taufe hervorhebt: „Ich wasche die Sünden ab und gebe die angenehmen Freuden des Himmels.“ Das untere Inschriftenband nennt als Stifterin eine gewisse Elisabeth. Zwei gotische Taufschüsseln aus getriebenen Messing, von denen die kleinere noch heute benutzt wird, zeigen den Sündenfall und das Martyrium des Heiligen Sebastian. Der barocke Taufdeckel ist eine Stiftung von 1623. Die Epitaphien und Bilder Neben den prächtigen Orgelprospekt von 1736 beleben besonders die zahlreichen Epitaphien an den Wänden und Pfeilern das Bild der Kirche. Von den steinernen, die „Gott zu Ehren und dieser Kirchen zur Zierde“ gestiftet wurden, sollen hier nur die fast maßlos bewegten Renaissancedarstellungen des 16. Jahrhunderts genannt werden. An der Südwand neben der Taufkapelle:
Durchzug durch das Rote Meer (Berliner Bürgermeister Thomas Matthias
und Sohn, † 1549 bzw. 1576). Zum Geleit Eine Kirche ist kein Museum. Du sollst in ihrem steinernen Bau nicht nur eine ehrwürdigen Zeugen deutscher Vergangenheit, in ihren Denkmälern nicht nur interessante Erzeugnisse alter deutscher Kunst sehen. Du sollst wissen und dir vor Augen halten, dass lebendiger Glaube des Gotteshaus und seine Ausstattung schufen und die Kraft dieses Glaubens noch nicht erloschen ist. Alles was du sahest, gibt noch heute einer christlichen Gemeinde den gültigen Rahmen ihrer Gottesdienste. Acht Jahrhunderte haben die Liebe und Verehrung an dieser Kirche gebaut. Viele von ihnen haben ein eigenes Gesicht gehabt und seine Züge den Werken ihres Glaubens aufgeprägt. Jede lebendige Zeit hat den Mut zur Gegenwart und fasst das alte Evangelium neu. So sollst du aus der Betrachtung der Vergangenheit über aller Freude am Kunstwerk oder am Kuriosum hinaus den Mut finden, nach dem Leben der Gemeinde zu fragen. Schn.
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